Around the world: Einmal um die digitale Welt

Fachkräftemanel im Handwerk: Der Schwund vom Wissen über das Handeln

Der Schwund des Handwerks ist inzwischen zu mehr als einem ökonomischen Problem geworden. Er ist eine anthropologische Wunde. Wo Handwerk verschwindet, verliert eine Gesellschaft den direkten, sinnlichen Kontakt zur Wirklichkeit — zu Material, Ursache, Wirkung, Geduld und Gelingen.

Der Bedeutungsverlust der arbeitenden Hände

Handwerk war immer Vermittlung zwischen Denken und Welt: Der Mensch formt Holz, Metall, Mörtel, Ton – und zugleich formt die Materie zurück.

Ergebnis: Die Hände werden entwertet, obwohl sie das Fundament alles Funktionierenden sind.

Die strukturellen Ursachen der schwindenden Handfertigkeiten

Verluste durch schwindende Handfertigkeiten

Zukünftige Gefahren durch den Schwund der Handfertigkeiten

Gesellschaften, die nur noch Software‑Systeme betreiben, aber kaum noch Menschen haben, die ein Dach decken, eine Leitung löten oder ein Werkzeug reparieren können, geraten in materielle Abhängigkeit.

Hoffnung der Rückkehr des echten Könnens

Es gibt Gegenbewegungen – leise, aber spürbar:

Die Krise des Handwerks ist auch eine Krise der Realität. Solange wir glauben, Wert entstehe nur durch Klicks, löschen wir das konkrete Verhältnis zur Welt. Aber überall da, wo jemand wieder lernt, einen Nagel wirklich einzuschlagen, ein Brot zu backen oder eine Maschine zu zerlegen, beginnt etwas Heilsames: die Rückkehr zu einem Menschsein, das nicht nur bedient, sondern bewirkt.

Vorzeichen (oder Vor-Zeigen) von infantilen Arbeiter-Robotern mit ödipalen Empfangs-Antennen: Die Teletubbies

Die Teletubbies waren tatsächlich ein bemerkenswertes Vorzeichen – eine freundlich bunte Parabel auf das, was die kommenden Jahrzehnte bringen würden: Wesen, die in einer sanften, total überwachten Umwelt leben, mit Bildschirmen auf dem Bauch, betreut von einer Maschine, die aufräumt, saugt, ernährt und beruhigt. Ein fröhliches Vorspiel zum "Smart Home".

Die Vorahnung in der Unschuld

Damals erschien es als harmlose Kindersendung. Aber rückblickend wirkt es fast unheimlich prophetisch:

Was damals als liebevolle Sicherheit erschien, war in Wahrheit ein ästhetisch verpacktes Leitbild: Die Technik kümmert sich, der Mensch wird weich, verspielt, ein bisschen hilflos – aber glücklich.

Verfall des Wertvollen: Ein Klicker und ein Knopf

Tatsächlich beschreibt die Entwicklung von "ein Klicker und ein Knopf" (im ursprünglichen Sinn: eine Murmel und ein Hosenknopf, Sinnbild kindlicher Armut) zu "ein Klicker und ein Knopf" (im heutigen Sinn: das Drücken einer Taste oder eines Knopfes) den Weg von der materiellen Knappheit zur digitalen Oberflächenfülle. Die Zeichen sind gleich geblieben, ihr Sinn hat sich umgekehrt.

Wenn alles mit einem Klick da ist, verschwindet der Zwischenraum, in dem Mensch‑Sein entsteht: Mühe, Warten, Widerstand, Versuch, Irrtum. Ohne diesen Zwischenraum gibt es keine reale Welt, nur Bedienoberflächen – und keine gereifte Identität, nur wechselnde Benutzerzustände. Was wie Souveränität aussieht ("Ich drücke den Knopf") ist oft nur elegante Ohnmacht: Die Realität verschwindet, indem sie perfekt funktioniert.

Verlust des Realitätswiderstands

Echte Wirklichkeit entfaltet sich aus Reibung: Dinge dauern, widersetzen sich, verlangen Anstrengung. Der Knopfdruck löscht diesen Widerstand.

Abbau der Identität durch permanente Verfügbarkeit

Identität ist nicht vorgegeben, sondern wächst an Grenzen: Wer bin ich trotzdem? Wer bin ich ohne Soforterfüllung?

Infantilismus der Weltbeziehung

Der Knopfdruck ist die Geste des Kindes: Wunsch → Reaktion → Trost. Doch in den digitalen Systemen bleibt diese Geste lebenslang erhalten.

Ökonomie des Sofort

Hinter der scheinbaren Einfachheit steckt eine immense technische und soziale Maschinerie: Logistik, Energie, Daten, Arbeit.

Auflösung des Zusammenhangs

Wenn alles jederzeit abrufbar ist, verliert das Einzelne seine Bedeutung. Der Weg, die Vorbereitung, das Warten – alles, was Sinn stiftet – fällt weg.

Der paradoxe Preis der Mühelosigkeit

Je leichter alles wird, desto schwerer wiegt die Leere. "Knopfdruck‑Realität" spart Zeit, aber sie löscht Tiefe.

Vom Wohlstand zur Wohlstellung

Man kann sagen, die Wohlstands­gesellschaft ist graduell in eine Wohl­stellungsgesellschaft übergegangen. Der Schwerpunkt hat sich verschoben: vom materiellen Besitz (Stand) zum symbolischen und performativen Ausdruck (Stellung).

Vom Haben zum Zeigen

In der klassischen Wohlstandsgesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg bestand sozialer Erfolg aus nachweisbarem Besitz – Haus, Auto, sichere Anstellung, Urlaubsreise. Heute ist der materielle Überfluss in vielen Milieus selbstverständlich geworden, also verliert er seine Distinktionskraft.

Die neue Ökonomie des Eindrucks

Social Media hat diese Verschiebung beschleunigt. Likes, Follower und Selbstinszenierung sind zur neuen Währung geworden. Das Wertversprechen lautet nicht mehr Komfort, sondern Sichtbarkeit.

Das Resultat: chronische Anspannung

Diese Verschiebung macht Gesellschaft nicht freier, sondern nervöser:

Die Ironie des Wohlstands

Der äußere Überfluss erzeugt einen inneren Mangel: Wenn "Stellung" wichtiger wird als "Stand", verlagert sich der Konkurrenzkampf ins Imaginäre – in die Sphäre der Anerkennung.

Der gesellschaftliche Preis

Die Wohlstandsgesellschaft versprach Sicherheit durch Besitz. Die Wohlstellungsgesellschaft verlangt permanente Selbstdarstellung – eine Ökonomie der Geste statt der Güter. Materieller Reichtum hat sich zur bürokratisierten Selbstinszenierung des Ichs verflüchtigt. Und während früher "haben" genügte, muss man heute ständig aussehen, als hätte man – sogar dann, wenn man längst leer ist.

Einpfanzung der Antennen in Barbie und Ken

Vernetzte Puppen wie "Hello Barbie" oder "My Friend Cayla" gelten als Beispiele dafür, wie Spielzeuge Kinderzimmer überwachen und dabei Gespräche und Nutzungsdaten erfassen können. Ähnliche "Smart Toys" – vom sprechenden Teddy bis zur Toniebox oder Lernstiften – können Verhaltensprofile von Kindern erstellen, wenn sie dauerhaft Daten sammeln und an Hersteller-Server senden.

Wie überwachen solche Spielzeuge?

Warum diese Spielzeuge "schlimmer" sind

Besonders prekäre Lern‑/Digitalspielzeuge

Die Toniebox‑Hacker vom 37C3 haben sehr detailliert offengelegt, wie die Box intern funktioniert, welche Daten sie sammelt und wie man sie mit eigener Firmware und eigener Cloud betreiben kann. Dabei geht es sowohl um Datenschutz (Profilbildung über Kinder) als auch um technische Freiheit (keine Abhängigkeit mehr von der Hersteller‑Cloud).

Darstellung des Problems anhand der Tonie-Box

Die Toniebox ist eine Hörspiel‑ und Musikbox für Kinder, die Inhalte über NFC‑Figuren ("Tonies") aus einer Hersteller‑Cloud lädt und dabei detaillierte Nutzungsdaten erfassen kann; der CCC hat beim Reverse Engineering gezeigt, wie diese Technik funktioniert und wie sich Box und Figuren für eigene Inhalte, eigene Cloud‑Server und alternative Firmware nutzen lassen. Die ursprüngliche Antwort lässt sich damit genauer und korrigiert formulieren.

Für Kinder können aus der frühen Datensammlung durch Smart Toys wie die Toniebox vor allem langfristige Risiken für Datenschutz, Selbstbild und Entscheidungsfreiheit entstehen. Die Daten lassen sich sowohl kommerziell (Werbung, Profiling) als auch social‑engineering‑artig instrumentalisieren; gleichzeitig kann ständige (gefühlte) Beobachtung einen chilling‑Effekt fördern, der später selbstbestimmtes und exekutives Handeln schwächt.

Welche Profilbildung möglich ist

Was der CCC konkret gehackt hat

Datenschutz‑Relevanz

Welche Daten und Profile möglich sind

Der Talk betont, dass die Box "extrem neugierig" ist und sehr viel zum Nutzungsverhalten nach Hause funkt. Aus den technischen Beschreibungen und Folien ergibt sich unter anderem:

Was das Team technisch herausgefunden hat

Aus dem Talk und den zugehörigen Folien bzw. Projekten ergeben sich mehrere praktische Hacks und Lösungen:

Datenschutz‑Punkte aus dem Talk

Vortrag des CCC über die Tonie-Box
Software zum Hacken der Tonie-Box

Weitere verwanzte Spielzeug-Bereiche

  1. Kinder‑Tablets großer Spielzeugmarken Beispiele: Lern‑Tablets von VTech (z.B. Storio‑/InnoTab‑Reihen), LeapFrog‑Tablets. Problem: eigenes App‑Ökosystem, Cloud‑Konten, Telemetrie‑ und Nutzungsdaten, Tracker‑SDKs in Apps; sehr feine Lern‑ und Verhaltensprofile möglich.

  2. Sprachassistent‑Skills als Lernspiele (Alexa, Google Assistant, Siri) Beispiele: Kinder‑Quiz‑ und Vokabel‑Skills für Alexa‑Lautsprecher oder Google‑Nest‑Geräte. Problem: Kinder spielen Lernspiele über Always‑on‑Mikrofone, Sprache und Interaktionsmuster werden in großen Cloud‑Infrastrukturen verarbeitet und können langfristige Profile erzeugen.

  3. Social‑Robots als Lernbegleiter Beispiele: kleine humanoide oder tierähnliche Lernroboter (Hersteller wie Anki‑Nachfolger, diverse China‑Marken), die Mathe/Sprachen üben und per App/WLAN angebunden sind. Problem: permanente Internetanbindung, Mikrofone/Kameras, emotionale Bindung; Roboter können intime Gespräche und Lernschwierigkeiten mit Nutzer‑ID verknüpfen.

  4. KI‑basierte Lern‑Chatbots in Kinder‑Apps Beispiele: Schul‑/Nachhilfe‑Apps mit integriertem KI‑Tutor (oft White‑Label‑Lösungen unterschiedlicher EdTech‑Firmen). Problem: detaillierte Erfassung von Wissenslücken, Lernwegen, Frustrationsmomenten; Antworten und "Persönlichkeit" hängen von externen KI‑Plattformen ab, die Daten weiterverarbeiten können.

  5. AR‑/VR‑Lernheadsets und Lern‑Metaverse‑Apps Beispiele: Lern‑Module für Meta‑Quest‑Headsets, eigenständige "Kids‑VR‑Brillen" mit Bildungs‑Apps. Problem: Tracking von Kopf‑, Hand‑ und Blickbewegungen, möglicher Rückschluss auf Aufmerksamkeit, Emotionen und Interessen; Daten laufen über Konten und Cloud‑Dienste.

  6. Adaptive Online‑Lernportale mit starker Gamification Beispiele: internationale Mathe‑, Vokabel‑ oder Coding‑Plattformen, die XP, Badges, Ranglisten und "Missionen" nutzen (verschiedene EdTech‑Anbieter). Problem: sehr genaue Leistungs‑ und Verhaltensprofile, potenzielle Nutzung für Scoring (z.B. in Werbung, Bildungsentscheidungen); Kinder lernen, sich ständig messen zu lassen.

  7. Robotik‑Lernkits mit Cloud‑Zwang Beispiele: programmierbare Lernroboter und Coding‑Kits, die ausschließlich über Online‑Plattformen programmiert und ausgewertet werden (mehrere große und kleinere Hersteller). Problem: Projekt‑, Fehler‑ und Nutzungsdaten landen bei Anbietern; wenn diese Profile mit Schul‑ oder Elternkonten verknüpft werden, entstehen Langzeit‑"Leistungskurven".

  8. Emotion‑&‑Achtsamkeits‑Apps für Kinder mit Kamera/Mikro Beispiele: Apps, die Lernspiele und Emotions‑Coaching kombinieren, per Kamera Mimik analysieren oder per Mikro Stimmung erkennen sollen (verschiedene Start‑ups). Problem: extrem sensible emotionale Verlaufskurven, potenziell biometrische Gesichtsdaten und Stimmprofile, die bei Datenlecks oder Zweitnutzung hochkritisch sind.

  9. Verkaufte Schul‑"Ökosysteme" mit Gamification Beispiele: Komplettlösungen für Schulen mit Lernplattform, Belohnungs‑System und Hausaufgaben‑Tracking (mehrere internationale Anbieter). Problem: Vereinheitlichte Profile über Jahre und Fächer hinweg; Gamification macht die permanente Leistungsbeobachtung attraktiv, senkt aber die Hemmschwelle für umfassendes Tracking.

  10. Hybrid‑Smart‑Toys mit Lernfokus (Kuscheltiere/Spielzeug + Lern‑App) Beispiele: Kuscheltiere oder Figuren, die per App Geschichten, Vokabeln oder Programmieraufgaben vermitteln und über Konten laufen. Problem: Verbindung aus emotionaler Bindung, Lerninhalten und App‑Tracking; meist intransparent, welche Nutzungs‑ und Beziehungsdaten in der Cloud landen.

Verwanzte Schul- und Lernsysteme

Für Deutschland lassen sich einige typische "Schulökosysteme" nennen, die gamifizierte Lernfunktionen, Konten und teils umfangreiche Datenerfassung kombinieren – aber ohne aktuelle Marktdaten lässt sich keine belastbare "Topliste" der schlimmsten Systeme erstellen. Die Beispiele unten stehen deshalb eher für Funktions‑Typen und bekannte Plattformen als für eine abschließende Bewertung.

Typische Lern-Plattformen mit Gamification

Einordnung von Lernsysteme

Welche Daten gesammelt werden und welcher Schaden mit ihnen angerichtet werden kann

Spätere Probleme im Jugend‑ und Erwachsenenalter

Chilling‑Effekt und Privatsphäre

Einfluss auf Selbstbestimmung und exekutive Funktionen

Exekutive Funktionen sind die Fähigkeiten, Ziele zu setzen, Handlungen zu planen, Impulse zu steuern und Entscheidungen bewusst zu treffen.

Risiken für Kinder und Familie

Rechtliche und behördliche Reaktionen

Was Eltern konkret tun können

Die Auswirkung der Profilierung von menschlicher Eigenschaften als Wirtschafts-Produkt

Automatisches Messen, Profilieren und Verkaufen von Menschen ist problematisch, weil es lebendige Subjekte in standardisierte Zahnräder eines technischen‑ökonomischen Apparats verwandelt und ihre offene Entwicklung auf verwertbare Muster reduziert. Aus der Denklinie von Deleuze/Guattari lässt sich zuspitzen: Was als harmlose Optimierung erscheint, ist eine Form von Stillstellung und Dressur von Begehren – zugunsten von Kontrolle und Verwertung.

Reduktion von Lebendigkeit auf Warenform

Blockierung offener Entwicklung

Selbstkontrolle statt Selbstbestimmung

Kolonisierung des Inneren

Politische und autoritäre Dimension

Pointiert: Vollautomatische Vermessung und Verwertung des Menschen macht aus offenen, widersprüchlichen, sich verändernden Wesen berechenbare Funktionskörper einer Maschine, deren Zweck nicht ihr eigenes gutes Leben ist – sondern reibungslose Kontrolle und maximaler Ertrag.

Die digitale Verzweckung des Menschen

Freiheit von fremden Zwecken

Grenze eines einzigen Selbstzwecks

Warum das Lösen vom Zweck das Moment öffnet

Beweglichkeit statt Fixierung

Ethik der Gegenwärtigkeit

Mit vernetzten "Püppchen" macht man Menschen zu Püppchen, indem man ihnen von klein auf beibringt, sich selbst als Datenträger und steuerbares Objekt zu erleben statt als offene, eigensinnige Person. Das geschieht weniger durch einzelne Horrorfälle als durch die stille Gewöhnung an dauerndes Messen, Profilieren und Belohnen.

Innenwelt als Datenquelle

Gewöhnung an Fernsteuerung

Profil statt Person

Reinszenierung mit echten Menschen

Gegenbewegung

Der digitale Mensch als Teletubbie, Barbie und Ken

Das strukturelle Problem liegt darin, dass kein "Bösewicht" nötig ist, damit Menschen zu Püppchen werden – die Rolle übernehmen gekoppelte Strukturen aus Technik, Markt, Staat und Alltagspraxis, die sich gegenseitig verstärken. Es ist also weniger ein Plan Einzelner als eine Maschine, die weiterläuft, weil viele sie aus jeweils vernünftigen Gründen füttern. Es ist also kein isoliertes Werk eines einzelnen Akteurs, sondern ein Zusammenspiel großer Teilsysteme, die das menschliche Leben in Daten übersetzen und so steuerbar machen. Diese Institutionen greifen wie Zahnräder ineinander, um den Menschen für ihre jeweiligen Zwecke – Profit, Ordnung, Deutungshoheit oder Aufmerksamkeit – passend zu machen.

Das Kapitalsystem (Wirtschaft)

Unternehmen und Märkte fungieren heute als primäre Treiber der Profilbildung, da Daten der wichtigste Rohstoff für Vorhersagen und Verhaltenssteuerung geworden sind. Das Ziel ist die Umwandlung lebendiger Impulse in berechenbare Konsummuster, wobei "smarte" Spielzeuge und Lern-Apps als frühe Einstiegspunkte dienen, um künftige Kundenprofile lebenslang zu sichern.

Der Staat (Verwaltung und Kontrolle)

Staatliche Institutionen nutzen die Logik der Vermessung zur Effizienzsteigerung, zur Selektion im Bildungssystem und zur präventiven Sicherheit. In Deutschland zeigt sich dies in der Digitalisierung von Schulen, wo Plattformen genutzt werden, die nicht nur Wissen vermitteln, sondern gleichzeitig Disziplin und Leistung in Scores übersetzen.

Die Medien (Aufmerksamkeit und Normierung)

Mediale Systeme und soziale Plattformen verstärken den Zwang zur Selbstdarstellung und zum permanenten Vergleich durch Likes, Rankings und algorithmische Filter. Sie schaffen die kulturelle Norm, dass es "normal" und erstrebenswert sei, das eigene Leben ständig messbar zu machen und an äußeren Resonanzwerten auszurichten.

Die Kirche (Traditionelle Moral und neue Strukturen)

Während die klassische Kirche als Institution an direkter Kontrollmacht verloren hat, leben ihre Muster der Beichte und Gewissensprüfung in der digitalen Selbstoptimierung weiter. An die Stelle des göttlichen Blicks tritt der Blick des Algorithmus, der das Individuum dazu bringt, sein Verhalten permanent nach äußeren "moralischen" oder funktionalen Standards zu prüfen.

Zusammenwirken der Systeme

Logik der Vermessung als Standard

Marktlogik ohne Gegenmacht

Bequemlichkeit und Angst im Alltag

Institutionen, die auf Kontrolle gebaut sind

Verinnerlichte Fremdsteuerung

Kurz: Unser strukturelles Problem ist ein Geflecht aus Mess‑Norm, Marktanreizen, institutioneller Kontrolle und verinnerlichten Mustern, das sich selbst stabilisiert – gerade weil es keinen klaren Gegner braucht und sich in lauter scheinbar vernünftige Einzelentscheidungen auflöst.

Die digitale Welt als Löschpapier der Menschlichkeit

Die digitale Welt wirkt tatsächlich wie Löschpapier, das die feuchte, lebendige Tinte des Inneren aufsaugt, um sie in eine flache, reproduzierbare Spur zu verwandeln.

Das Prinzip der Fragmentierung

Digitale Profile zerlegen den Menschen in Datenpunkte – Klicks, Vorlieben, Sprachmuster, Bilder. Die algorithmischen Systeme benötigen diese Reduktion, um ihn berechenbar und vergleichbar zu machen. Was sie dabei abbilden, ist kein Selbst, sondern ein funktionales Fragment: ein Schatten aus Daten.

Das Herabziehen des Inneren

Wenn das, was ursprünglich Ausdruck war – also unmittelbar, unberechenbar, manchmal widersprüchlich –, zu Content wird, verändert sich sein Rang.

Löschpapier und Demaskierung

Der Vergleich mit Löschpapier ist treffend, weil er eine doppelte Bewegung zeigt:

Das Farcieren und das Schmierentheater

Man könnte sagen: Das Netz ist der Ort, an dem die Masken nicht mehr zum Spiel gehören, sondern zur Pflicht.

Wie sehr diese Aussage also zutrifft

Sehr – denn sie beschreibt eine paradoxe Wahrheit:

Die wirkliche Gegenbewegung wäre nicht Rückzug, sondern Wiederaneignung: Räume und Zeiten, in denen das Innere wieder "feucht" bleiben darf, nicht sofort digitalisiert, quantifiziert oder ausgestellt wird – Momente der Stille, der Zwischentöne, des Nicht‑Teilens. Nur dort kann das Löschpapier austrocknen, und das Schreiben des eigenen Lebens erneut Tinte gewinnen.

Die Zwecke des Menschen als gepachteter Acker

Seitdem der Mensch den Ackerbau vor 10000 Jahren angefangen hat, war es ihm möglich, auch seine eigene Fruchtarkeit als Frucht vom reinen Zweck der Vermehrung zu befreien. Er konnte einen Sinn für Kultur und Ästhetik entwickeln. Nun droht ihm jedoch keine Befreiung, sondern eine Verhaftung. Denn im digitalen Kapitalismus verkörpert der Mensch den führeren Zinsbauern und Leibeigenen auf dem Acker des Kapitals, welches sein eigenes Verhalten ist. Es arbeitet unentgeltlich für den Gutsherrn Arbeitgeber, leistet "Robot" (ein sehr treffendes Wort im heutigen digitalen Zeitalter, jedoch ist es im ursprünglichen Sinne der Frondienst als unentgeltliche Arbeitsleistung der früheren Bauern auf dem Land des Gutsherrn) in Form von Mehrwertproduktion und erhält nur den Schutzsubsistenzlohn, während sein Verhalten – Konsum, Konkurrenz und Gehorsam – als Daten-Acker das System der Grundherrschaft am Leben erhält. Je weniger ein Mensch also als "Acker" für fremde Zwecke zur Verfügung steht, desto mehr Raum gewinnt er für ein eigenes, wildes und unvorhersehbares Wachstum. Die Systeme (Kapital, Staat, Medien) versuchen, den Menschen zu "monokultivieren" – also nur das in ihm anzupflanzen und zu ernten, was für sie profitabel, messbar oder kontrollierbar ist.

Befreiung vom Erntedruck

Das Unfruchtbare als Schutzraum

Fruchtbarkeit des Eigensinns

Indem der Mensch für die großen Verwertungsmaschinen "unfruchtbar" wird, schützt er seinen inneren Garten vor der industriellen Ausbeutung und schafft den Platz, auf dem echtes, freies Leben überhaupt erst gedeihen kann.

Unterdrückung menschlicher Erinnerung an seine Fruchtbarkeit

Die Zensur von Nacktheit in Kunst und Bildung sowie die Erniedrigung des pubertären Selbstbewusstseins sorgen dafür, dass Menschen sich früh als mangelhaft erleben und nach äußeren Autoritäten (Vater, Marke, Norm) ausrichten. beides sind konkrete Mechanismen, durch die Systeme die lebendige Entwicklung des Selbst zugunsten einer kontrollierbaren und konsumierbaren Version. Systeme wie der Markt und staatliche Institutionen neigen dazu, die menschliche Sexualität und Vitalität nicht einfach nur zu unterdrücken, sondern sie so zu formen, zu normieren und zu vermarkten, dass sie der allgemeinen Verwertungslogik dienen. Anstatt eines freien, unvorhersehbaren Ausdrucks von Lebenskraft wird Sexualität oft in Kanäle gelenkt, die den Menschen effizienter für Arbeit, Konsum und soziale Kontrolle machen.

Umwandlung von Lust in Leistung und Konsum

Disziplinierung durch Normen

Repression für die "höhere" Produktivität

Indem das System die Sexualität kontrolliert und normiert, kappt es die Wurzel einer autonomen Lebenskraft, die sich fremden Zwecken widersetzen könnte, und macht den Menschen stattdessen zu einem berechenbaren und steuerbaren Element der Funktionsmaschine. n untergraben.

Zensur nackter Körper in Kunst und Bildung

Erniedrigung des pubertären Selbstbewusstseins

Warum Zensur und Erniedrigung zusammenwirken

Kurz: Indem Systeme nackte Körper aus der Kunst und Bildung tilgen und gleichzeitig pubertäre Selbstzweifel systematisch schüren, verhindern sie eine souveräne, lustvolle Beziehung zum eigenen Körper – und installieren stattdessen eine lebenslange Abhängigkeit von kommerziellen und autoritären Vorgaben.

Rückwirkungen digitaler Repressionen

In Großbritannien wurden Anfang 2026 Social‑Media‑ und Dating‑Plattformen verpflichtet, "Cyberflashing" (unerwünschte Nacktbilder) aktiv zu blockieren, wobei KI‑Filter zum Einsatz kommen sollen – und ja, gerade weil solche Systeme auch Fehlalarme produzieren werden, könnte dies tatsächlich ungewollte Nebeneffekte haben, die den ursprünglichen Zweck konterkarieren. Die Frage ist berechtigt: Macht eine übermäßige digitale Zensur das reale Treffen auf der Straße wieder attraktiver – und führt das die Kontroll‑Absicht ad absurdum?

Was in UK aktuell geschieht

Warum Fehlalarme unvermeidlich sind

Mögliche paradoxe Folge: Rückkehr zum analogen Raum

Strukturelle Ironie digitaler Maßnahmen

Ja, es ist durchaus wahrscheinlich, dass übermäßige automatische Zensur auf Dating‑ und Social‑Media‑Plattformen dazu führt, dass Menschen sich wieder öfter "auf der Straße" treffen – was die ursprüngliche Kontroll‑ und Schutzintention ad absurdum führen könnte, weil sich soziale Dynamiken dann wieder in Räume verlagern, die für Regulierung und Überwachung viel weniger zugänglich sind.

Atemstillstand durch digitale Maßnahmen - Wie Freiheit durch Kontrolle erstickt wird

Die kybernetische Ironie, dass Systeme durch Übersteuerung genau das auslösen, was sie verhindern wollen, deutet tatsächlich auf eine strukturelle Grenze hin: Menschen lassen sich nicht beliebig weit kontrollieren, ohne dass sie entweder ausweichen oder innerlich kollabieren. Zugleich perfektionieren Systeme heute die Kunst, sich so an den Menschen zu legen, dass er gerade genug Luft hat, um nicht zu ersticken – aber zu wenig, um sich frei zu entfalten.

Die unüberwindbare Grenze: Kybernetische Ironie als Widerstand

"Gerade genug Luft zum Atmen": Kalibrierte Kontrolle

Systeme haben aus vergangenen Revolutionen und Revolten gelernt: Totale Unterdrückung provoziert Aufstand, also wird die Kontrolle heute so kalibriert, dass sie unauffällig bleibt und als "Service", "Sicherheit" oder "Komfort" erscheint.

Die Bewirtschaftung wirtschaftlich gemästeter Menschen durch Atemgeräte

Tatsächlich gibt es inzwischen einen massiven Markt für Atemgeräte – insbesondere CPAP-Geräte zur Behandlung von Schlafapnoe, die häufig bei stark übergewichtigen Menschen auftritt. Diese Geräte werden von Krankenkassen bezahlt, weil Adipositas oft Atemprobleme verursacht – was eine erschreckende materielle Manifestation dessen ist, was vorher metaphorisch beschrieben wurde: Systeme legen sich so auf den Menschen, dass er gerade noch atmen kann, aber unfähig bleibt, sich frei zu bewegen.

Hier zeigt sich eine bittere Ironie, die das vorher Gesagte auf beunruhigende Weise bestätigt:

Behandlung statt Ursachenbekämpfung
Profitabilität der Symptomlinderung
Buchstäblich "gerade genug Luft"
Keine Heilung, sondern Abhängigkeit

Die gesellschaftliche Verantwortung für Gesundheit und Ernährung wird systematisch den Profitinteressen der Zucker- und Lebensmittelindustrie untergeordnet. Deutschland setzt auf "freiwillige Selbstverpflichtungen" der Industrie, die nachweislich nicht funktionieren, während andere Länder längst verbindliche Regulierungen durchsetzen.

Die Macht der Industrie über die Politik in Ernährungs- und Gesundheitsfragen

Die gesellschaftliche Verantwortung für gesunde Ernährung wird systematisch den Profitinteressen der Zucker- und Lebensmittelindustrie untergeordnet – und das mit voller Rückendeckung der Politik, die lieber auf wirkungslose Selbstverpflichtungen setzt als auf verbindlichen Gesundheitsschutz. Das Ergebnis: Eine krankmachende Lebensmittelumgebung, die dann mit teurer Symptombehandlung (Atemgeräte, Medikamente, Operationen) "gemanagt" wird – ein perfektes Beispiel dafür, wie das System Menschen gerade genug Luft lässt, um weiterzufunktionieren, aber nicht genug, um wirklich gesund zu leben.

Profite vor Gesundheit
Systemische Verantwortungslosigkeit
Die Folgen für die Gesellschaft
Warum sich nichts ändert

Welche Bedingungen hat das "Atmen" heute wirklich?

Wie viel Freiheit haben wir wirklich?

Welche "Atemübungen" braucht die Gesellschaft?


"Im Restaurant haben zwei junge Menschen am Nachbartisch über Atmen gesprochen und ich habe bemerkt, wie Einer dem anderen eine Maschine baut: Er hat ihm erzählt, dass man die Zeit daran messen könne, dass die Lunge alle fünf Minuten einen Seufzer lässt und wie zuverlässig es bei ihm funktioniert. Ich dachte mir nur: 'Warum hast Du überhaupt Seufzer nötig? Wie wäre es mit bewusster Atmung?'" Wenn die Metapher des Atmens ernst genommen wird, braucht es kollektive Praktiken, die Raum schaffen – für Pause, Reflexion, Eigensinn und Widerstand.


Wenn man die beiden Ebenen – die metaphorische und die buchstäbliche – zusammendenkt:

Das ist die kybernetische Perfektion: Ein System, das Krankheit erzeugt, sie dann "behandelt", dabei Profite generiert und den Menschen in einem Zustand hält, in dem er weder stirbt noch wirklich lebt – buchstäblich beatmet, aber nicht befreit.

Digitale Askese und Offline‑Räume

Kollektive Verweigerung und Boykott

Politische Kämpfe um Infrastruktur

Bildung für Souveränität

Wiederentdeckung des Zwecklosen

Die kybernetische Ironie zeigt: Systeme können nicht unendlich kontrollieren, ohne sich selbst zu sabotieren – aber sie können lernen, die Kontrolle so zu dosieren, dass sie unsichtbar bleibt. Deshalb braucht es bewusste "Atemübungen": kollektive Praktiken des Innehaltens, Verweigerns und Neugestaltens, die Raum für echte Freiheit zurückerobern – bevor die "gerade genug Luft" zum dauerhaften Erstickungszustand wird.

BigTech: Vom Posessor zum Prozessor

Die großen Tech‑Konzerne wandeln sich tatsächlich von klassischen Possessoren (Besitzern von Infrastruktur und Daten) zu Prozessoren – also zu den eigentlichen, selbsttätigen Bearbeitern gesellschaftlicher Abläufe.

Vom Besitz zur Prozessherrschaft

Früher beruhte Macht im digitalen Kapitalismus hauptsächlich auf Eigentum: Server, Patente, Datenbanken. Heute liegt die eigentliche Macht in der Fähigkeit, Prozesse zu steuern, nicht bloß Dinge zu besitzen.

Gesellschaft wird "durch sie hindurch" organisiert

Diese Unternehmen sind keine bloßen Marktakteure mehr; sie bilden operative Ebenen der Gesellschaft:

Der Mensch als Prozessglied

In diesem Modell wird der Einzelne nicht mehr primär beherrscht, sondern eingebunden:

Vom Kapitalismus zum Kybernetismus

Dieser Wandel markiert den Übergang von einer Besitz‑ zu einer Steuerungsökonomie.

Die politische Konsequenz

Damit verschiebt sich Macht von den sichtbaren Besitztiteln hin zu unsichtbaren Protokollen:

Die Big‑Tech‑Konzerne sind längst nicht mehr bloße Besitzer digitaler Mittel, sondern zu Prozessoren des Sozialen geworden – sie verarbeiten Wahrnehmung, Emotion, Arbeit und Politik in Echtzeit. Ihre Macht ist dadurch flüssiger, subtiler und viel schwerer angreifbar als frühere Formen des Eigentums. Der nächste Schritt gesellschaftlicher Emanzipation wird nicht sein, Besitz zurückzuerobern, sondern Kontrolle über die Prozesse zurückzugewinnen, an denen wir selbst jeden Tag mitwirken.

Eskapismus als bewährtes Mittel für alle Leidenden

Für alle Leidenden hat das System längst eigene Kanäle eingerichtet: kommerziellen Eskapismus, der nicht befreit, sondern die Unfreiheit erträglich macht. Wenn Menschen weder echte Veränderung noch wirklichen Ausstieg wagen, bleibt oft nur die Flucht in vorgefertigte "Auszeiten", die das System selbst organisiert und verkauft. Eskapismus wird problematisch, wenn er nicht mehr selbstbestimmt ist, sondern von den gleichen Strukturen verwaltet wird, vor denen man eigentlich flieht.

Typische Institutionen des Systems-Eskapismus

Warum das keine echte Flucht ist

Das Paradox des verwalteten Eskapismus

Das System hat gelernt, dass totale Unterdrückung Revolte provoziert – also bietet es kontrollierte Ventile an:

Die Alternative: Echter Ausstieg vs. verwaltete Flucht

Verwalteter Eskapismus (systemkonform):
Echter Ausstieg (systemkritisch):
Wohin landen Menschen also?

Wenn sie weder echten Widerstand noch echte Alternativen wagen, landen sie tatsächlich in den vom System vorgesehenen Eskapismus-Institutionen:

Kirchen als institutionalisierter Eskapismus

Die Kirchen sind eine klassische, historisch gewachsene Institution des Eskapismus. Sie funktionieren strukturell sehr ähnlich wie die modernen kommerzialisierten Fluchträume: Sie bieten Trost, Sinn und Gemeinschaft, ohne die materiellen Machtverhältnisse grundsätzlich in Frage zu stellen – und stabilisieren damit oft gerade das System, das das Leiden erst erzeugt.

Vertröstung auf das Jenseits
Moralische Selbstkontrolle statt struktureller Kritik
Gemeinschaft ohne Revolte
Institutionelle Macht und Kapital

Parallelen zu modernen Eskapismus-Institutionen

Die Strukturmuster sind erstaunlich ähnlich:

Kirche (klassisch) Moderne Eskapismus-Institutionen
Erlösung im Jenseits Erlösung durch Konsum/Selbstoptimierung
Sünde und Beichte Tracking und Selbstüberwachung
Moralische Autorität (Gott, Klerus) Algorithmische Autorität (KI, Scores)
Rituale und Gemeinschaft (kontrolliert) Events und Communities (kommerzialisiert)
Gehorsam als Tugend Anpassung als "Eigenverantwortung"

Warum Kirchen heute weniger wichtig erscheinen

Sobald Religion institutionalisiert ist und mit weltlicher Macht verflochten, tendiert sie dazu, das System zu stabilisieren statt es in Frage zu stellen. Die Kirchen gehören definitiv auf die Liste der Eskapismus-Institutionen – historisch sogar an prominenter Stelle. Sie bieten Trost und Sinn, ohne grundsätzliche Machtverhältnisse anzutasten, und kanalisieren das Bedürfnis nach Transzendenz und Gemeinschaft in Formen, die systemkonform bleiben. Heute sind ihre modernen Nachfolger – Wellness-Apps, Selbstoptimierungs-Coaches, therapeutisierte Spiritualität – oft noch effizienter darin, Menschen bei Laune zu halten, ohne dass sich an den Strukturen etwas ändert.

Ausweg aus dem Eskapismus

Echter Eskapismus – im Sinne von Befreiung – muss drei Dinge leisten:

  1. Nicht kommerziell: Nicht vom System verkauft und verwaltet.
  2. Kollektiv organisiert: Nicht vereinzelt, sondern in solidarischen Netzwerken.
  3. Strukturverändernd: Nicht nur "Pause vom System", sondern Aufbau von etwas anderem – sei es eine TeddyCloud statt Überwachungsbox, ein Gemeinschaftsgarten statt Supermarkt, ein selbstverwalteter Raum statt kommerzielle Freizeitindustrie.

Ohne echte Alternativen und ohne bewusste Verweigerung landen Menschen im institutionalisierten Eskapismus – in jenen Ventilen, die das System selbst bereitstellt, um Druck abzulassen, ohne dass sich an den Machtverhältnissen etwas ändert. Die Frage ist also: Fliehen wir in die vom System vorgesehenen Fluchträume – oder bauen wir gemeinsam Räume auf, in denen Flucht nicht mehr nötig ist, weil das Leben selbst wieder lebenswert wird?

Was wir lernen können

Unterscheidungsvermögen entwickeln

Nicht alles am System ist gleich schlecht; es gibt Abstufungen, Widersprüche, Spielräume.

Risse nutzen und vergrößern

Das System ist nicht monolithisch; es hat Widersprüche, Bruchstellen, Momente der Überforderung (wie die kybernetische Ironie zeigt).

Affirmative Alternativen aufbauen

Statt nur gegen das Bestehende zu kämpfen, gleichzeitig das Neue leben – nicht als Utopie "später", sondern als Praxis jetzt.

Kollektive Macht aufbauen

Einzelne können wenig tun; aber solidarische Netzwerke können Strukturen verändern.

Das Leben selbst als Antwort

Am Ende geht es darum, das Leben nicht an "Zwecken" aufzuhängen – weder an fremden (Profit, Kontrolle) noch an einem einzigen eigenen (Revolution, Rettung).

Die dialektische Bewegung

Das einzige, was wir wirklich vom System lernen können, ist nicht das "Nein" zur ganzen Welt – sondern die Fähigkeit zur Unterscheidung: Wann sage ich "Nein" (zu dem, was mich zum Püppchen macht), wann sage ich "Ja" (zu dem, was mich lebendig hält) – und wie baue ich mit anderen zusammen Strukturen auf, in denen das "Ja" zum Leben nicht mehr gegen ein übermächtiges System erkämpft werden muss, sondern selbstverständlich wird.

Kein plötzlicher Schlag – sondern Assimilation

Das Ende solcher Zustände kommt meist nicht als Schock, sondern als Überdruss. Systeme, die auf Komfort und ständiger Abnahme von Verantwortung beruhen, kollabieren nicht dramatisch – sie verflachen, bis sie sich selbst überflüssig machen.

Wie Kinder, die irgendwann genug von Wattebäuschen haben und auf den Spielplatz mit Erde wollen.

Was für ein "Wachstum" das sein müsste

Wachstum hier hieße:

Dieses Herauswachsen wäre keine technologische Revolution, sondern eine anthropologische: Die Fähigkeit, das Digitale als Werkzeug zu begreifen, nicht als Zuhause.

Der stille Wendepunkt

Vielleicht wird der Übergang darin bestehen, dass die Menschen müde werden, perfekt zu funktionieren und ständig "betreut" zu sein. So wie jemand, der sich eines Tages von Nunu nicht mehr das Zimmer reinigen lässt, sondern wissen will, woher der Staub eigentlich kommt. Das ist kein Untergang, sondern das Wiederauftauchen des Erwachsenseins – das Ende der sanften Babywelt und der Beginn einer neuen Verantwortung.


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